
In Bosnien kam es erneut zu ethnischen Gewaltsamkeiten, die UN-Mission half dabei überhaupt nicht, sie wirkt eher als rotes Tuch. FOTO - REUTERS
eit der Staatengemeinschaft im politischen Armverdrehen und Fingerbrechen, um mit Ach und Krach eine „demokratisch“ gesinnte Regierung in Sarajevo zu Stande zu bringen. „Demokratisch“ heißt im Sprachgebrauch der Staatengemeinschaft in Bosnien meist „gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung“, da besagte Bevölkerung oft beklagenswert unwestlich denkt.
Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Zunächst brachen Unruhen bei den Kroaten aus, deren Wahlsieger sich in Sarajevo plötzlich auf der Abseitsbank wiederfanden, während die gemäßigten Kroaten in der neuen Regierung weniger als zehn Prozent der kroatischen Wähler repräsentieren.
Nun ist seit einigen Tagen auch bei den Serben die Hölle los. Am Samstag verhinderte ein serbischer Mob die Wiedereröffnung einer restaurierten Moschee in der südbosnischen Stadt Trebinje, und am Montag geschah das gleiche in der Hauptstadt der Serbenrepublik, Banja Luka. 300 Menschen mussten in der Ferhadjia-Moschee Zuflucht suchen und später mühsam evakuiert werden, darunter der Chef der UN-Mission in Bosnien, Jacques Klein. 30 Menschen wurden durch Steinwürfe verletzt. Polizeichef Wladimir Tutus und Innenminister Pero Bundalo boten ihren Rücktritt an.
Die Staatengemeinschaft ist Ärger gewohnt, aber die Unruhen von Banja Luka zeigen, dass dieser Stil einen Preis hat. Natürlich ging es um Widerstand serbischer Hardliner gegen die Rückkehr muslimischer Flüchtlinge ins Serbengebiet - aber die Steine flogen nicht zuerst gegen die Muslime.
Die Gewalt brach erst aus, als Jacques Klein ankam. Sowohl bei den Serben als auch bei den Kroaten wächst das Gefühl, in Bosnien regierten dank der Staatengemeinschaft nur die Muslime, alle anderen seien mehr oder minder entrechtet. Der US-Botschafter in Bosnien, Thomas Miller, erklärte, die Gewalttaten von Banja Luka dürften „nicht unbestraft bleiben“. Doch in Banja Luka regiert ein gemäßigter Serbe mit Unterstützung muslimischer Vertreter im Serbenparlament. Ministerpräsident Mladen Ivanic weiß, dass es eine Strafe geben wird: „Ich bin sicher, es wird eine knallharte Reaktion der Staatengemeinschaft geben“, sagt er. Die Welt